26. 03. 2006 / 10.11. 2010 / 23.08.2014

 

Alter Bergbau in Werdohl

 

Wie alt der Bergbau in Werdohl ist? Schwer zu sagen. Die Salzquellen von Werdohl lassen wir hier mal außen vor.  Volker Haller erforscht seit einiger Zeit den Werdohler Bleiberg.  Eine alte Quelle ist der Bericht von Heinrich Kutschauer. Er hat in seinem Bericht im Jahre 1663 Zwanzig Erzvorkommen (Eisen, Kupfer, Blei) erschürft.  Ob diese Funde in Förderung genommen wurden ist nicht überliefert. Pingen finden sich z.B.  im Tal oberhalb des “Mühlhofer Hammers”.  Es handelt sich um einen Pingenzug, der sich über einen Hang zieht. Im weiteren Verlauf auf der anderen Höhe des Sondernsiepen finden sich noch ein paar Schurfe. Am Heedhoff im Mühlenbachtal setzen sich die Pingenzüge fort.

Im 19. Jahrhundert war der Bergbau entlang der neuen Eisenbahntrasse Ruhr-Sieg stark im Fokus, da diese Erzvorkommen, wenn sie denn abbauwürdig gewesen wären, keine Transportprobleme gehabt haetten. In diesem Zuge sind in Werdohl auch einige Grubenfelder verliehen worden, welche das Bergamt als abbauwürdig ansah und verlieh. Gleichwohl ist aber nirgendwo Förderung betrieben worden. Diese werden hier aufgeführt:

 Bertha II Kupferbergwerk. Hier wurde Blei und Kupfererz gemuthet und 1.Mai 1893 verliehen. Juwelier Carl Tewes und Ingenieur Wilhelm Schröder waren die Gewerken. Bertrams Beschreibung ist vage, das Gelände ist mit Tannen völlig verwachsen. (Ich hasse Tannennadeln - überall, im Nacken, in der Hose, in den Strümpfen). 1938 wurde der Fund nochmal diskutiert. Betrieb hat nicht stattgefunden.

 Eine unbekannte Eisenerz-Muthung von 1855 wurde 1861 für Frei erklärt und 1862 als Grube Beuth neu verliehen.  Das Vorkommen war aber auch schon laut  Heinrich Streich in Kutschauers Bericht beschrieben.  Hier fanden nun bis 1868 Aufschlußarbeiten statt. Es wrude ein ca. 7 m tiefer Schacht abgesenk um das Vorkommen zu untersuchen. 1866 war ein Anwalt Knosch aus Düsseldorf der Alleineigentümer. Dies läßt vermuten, dass die Gewerkschaft Schulden hatte.  1889 wurde die Grube zwangsversteigert und 1892 aufgelassen.  1935 wurde das Vorkommen nochmals diskutiert.

 Freya, 18. März 1876 an den Bäcker Peter Lohmann und die Gebrüder Wilhelm und Otto Heutelbeck verliehen.  Anscheinend hat die Gewerkschaft einen Schacht abgeteuft von dem wir heute noch vorort, die Schachtmauerung finden. Leider mittlerweile mit Grobschlag unkenntlich gemacht. 1895 auf die Gewerkschaft Berta Caroline umgeschrieben.

schachtmauerung Grube Freya

An der Haarnadelkurve der Straße von Werdohl nach Neuenrade wurden überdeckend drei Grubenfelder auf jeweils unterschiedliche Erze verliehen. Es handelt sich um die Gruben Fritz (1874) auf Eisenstein , Julius (1874) Bleierz und Gravelotte (1875) auf Zinkerz. Alle drei Erzvorkommen wurden von Friedrich Wilhelm Forster aus London gemuthet. Vorort fanden wir noch einige Pingen und eine verschlossene Tagesöffnung.

 vermauerter Altbergbau

Wilhelm II, Bleierz. Fundpunkt an der Straße zw. Wintersohl und Kettling. 1757 durch Joh. Herm. Kruse gemuthet aber nicht angefangen. 1866 neu gemuthet und 1867 auf Blei verliehen, im Kalkstein hatte man Bleiglanzschnüre entdeckt. 1893 geht das Bergwerk an die “Plettenberger Zinkgewerkschaft”. Heute finden sich einige Pingen in der betreffenden Gegend. Hier scheint kein grosser Abbau umgegangen zu sein.

Treue. Kupfererzbergwerk. Am 24. Juni 1859 an den Hüttendirektor Leopold Berger aus Dortmund verliehen.  In einem 20-40 cm mächtigen Lager kamen Kupferkies Flitter und Knollen in einer Masse aus Brauneisensteinocker vor. Die Aufschlußarbeiten dauerten bis 1865. Dann kein weiterer Betrieb. Heute läßt sich in dem Grubenfeld kein Denkmal mehr finden.

Morgenstern Kupfererzbergwerk. Wurde ca. 1857/1858 an Leopold Berger verliehen. Kein Betrieb. Ein Suchstollen vor einigen Jahren noch offen und einige Meter befahrbar ist mittlerweile dicht verschlossen worden.

Liebe. Kupfererzbergwerk. 1856 Gemuthet. 1859 an den Bergarbeiter Heinrich Mishelke verliehen. Später ebenfalls von Berger übernommen. Im Stollen wurde nach 3 m länge ein Gesenk abgeteuft. in dem Gesenk fand man bei 2 m tiefe einen Kupferkiesgang im Grauwackegestein. Diese Aufschlußarbeiten dauerten bis 1865. Dann kein Betrieb mehr.  Im Krieg als Luftschutzbunker benutzt. Heute Abstellraum 

Stollen der Grube Liebe

Mit der Liebe zum Bergbau endet dieser Beitrag.

Literatur:

Heinrich Streich: Vom frühen Erz-Bergbau im Märkischen Sauerland 1979

Fritz Bertram: Bergbau im Amtsgerichtbezirk Altena. 1953/1954

Stefan Wientzek: Bergbau im Märkischen Kreis. Altena 1993

Archiv Oliver Glasmacher