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26. März 2006 / 2004-12-27

Die Erzbergwerke in und um Balve waren überwiegend in Besitz des Grafen Landsberg-Velen zu Wocklum. Das Erz wurde auf Ihrer Luisenhütte bei Wocklum geschmolzen.

Einige Bergwerke gehörten dem Freiherrn von Wrede-Amecke, der seine Erze auf der Hütte zu Langenholthausen schmolz, später die Julianenhütte in Amecke baute, wo ab 1826 verhüttet wurde.

Eine grosse Zahl an Gruben war notwendig, da die Verhältnisse schwierig waren. Das Erz wurde erst im Tagebau dann in kleinen Schächten geringer Teufe gewonnen.

 Das Wasser wurde in früheren Zeiten aus zusätzlichen Schächten mittels Haspel und Ledereimern “geschöpft”.

 Mitte des 18.JH waren so die meisten Vorkommen erschöpft. Die zur Auslastung der Luisenhütte notwendigen Erzmassen wurden aus Hemer (Grube Helle/Felsenmeer) und aus Dahle (Grube Sybilla) importiert.

 Versuche um das Wasser zu besiegen

 Eine der Gruben, die trotz der schwierigen Verhältnisse wieder in regelmäßige Förderung kam, war die Grube Beckumer Schlade. Im Jahre 1767 wird erwähnt,

„dass auf der Grube Beckumer Schlade Wassertonnen Ihre Anwendung fänden, die sich selbst schöpfen“.

Es ist eine Vermutung, dass der Orlebach als Antriebmittel für ein Schöpfeimerwerk genutzt wurde. Der Wassergraben war aber im Gelände nicht mehr zu finden. So war auf der Grube Beckumer Schlade ein Tieferer Abbau möglich. Die Grube soll sich nordöstlich von Schloß Wocklum befunden haben. In den bewaldeten Höhen finden sich einige grosse Tagebaupingen die bald im Kalksteinbruch verschwinden.

In anderen Gruben, die keine ähnlich günstige Ortverhältnisse hatten, wurden 1763 Versuche mit Pumpen unternommen. Es existiert ein Bericht über diese Versuche: dort heißt es:

“..die pumpe erachte ich garnicht dienlich auf der grube zu sein umsomehr da selbige niemals etwas genutzt hat, auch in einer solchen Teuffe wo sie hat gebraucht werden sollen sellten vorteil dabei heraus kommt weshalb euer hochwohlgeborener herr …. die röhren nach dero guth befinden emploiren können..”

Also war man wenig begeistert von den Erfolgen. Neben dem Wasser hatte die Grube mit der Bewetterung zu kämpfen. Um für eine gute Luftzirkulation in den Grubenbauten zu sorgen, bauten einige Balver Gruben zusätzliche Wetterschächte. Manchmal wurden Wetteröfen betrieben. 

Mitte des 18.JH werden die Gruben in Balve nur sporadisch betrieben. Fachleute fehlten und so wurde das Erz von Bauern oder im Raubbau nebenher im Tagebau oder einfachen Schächten abgebaut. Wegen der Zerklüftung des Massenkalkes um Balve waren größere Bemühungen um einen geregelten Betrieb wegen starker Wasserzuflüsse Geldverschwendung. So lagen die Gruben in Balve still - Innerhalb 20 Jahren war nur einmal auf der Luisenhütte geschmolzen worden, da zu wenig Eisenerz gefördert wurde. Das Bergamt forderte die Gewerken wiederholt auf die Bergwerke wieder in Betrieb zu nehmen, jedoch erfolgte dies nicht, da die Gewerken weiteren Kapitaleinsatz in den Balver Bergwerken scheuten.

Dies zum Anlaß nehmend sicherte sich der Graf Clemens August von Landsberg 1775 die Mehrheitsbeteiligung an den Gruben Helle (Felsenmeer/Hemer) und Sybilla in Altena-Dahle.

Zum Hintergrund: Beide Bergwerke lagen auf märkischem Hoheitsgebiet. Balve und damit die Luisenhütte jedoch auf kurkölnischem Hoheitsgebiet. Daher war grundsätzlich nicht möglich Erze von dort an die Luisenhütte zu transportieren. Durch einen “Handel” mit dem preußischen Bergamt erreicht der Graf von Landsberg, dass er Eisenerz nach Balve transportieren durfte:

Für die Wiederaufnahme der märkischen Bergwerke Sybilla und Helle mit märkischen Bergleuten und Lieferung von eigener Balver Holzkohle an die märkische Hütte in Hemer-Sundwig, wurde es ihm gestattet, Eisenerz nach Balve ausführen. Die meisten Erze gingen weiterhin zu der Hütte nach Hemer-Sundwig (an der der Graf von Landsberg beteiltigt war) - aber er durfte aus der reichlich zu erwartenden Ausbeute der beiden Bergwerke ein jährlichen Quantum an Eisenerz “exportieren”. Zu dieser Zeit lag der Bergbau in Balve still.

Dann kommt der Bergbau in Balve langsam auch wieder ins Rollen. Durch das neue preußische Recht, werden viele Bergwerke neu verliehen.

 Im 18.JH wurde bereits Sprengpulver zum Abbau verwendet. Die Bohrlöcher wurden mit Eisenbohrern, ab 1780 mit Stahlbohrer hergestellt. 

1797 wurde die die Grube Sybilla in Dahle, eines der Standbeine der Luisenhütte, geschlossen. 

1820 standen die Gruben Limmenstein, Quickmerschlade und Grefften vor dem Aus, da die Vorkommen ausgeerzt waren. Die Luisenhütte musste eine Schmelze schließen.

 Grube Henseneiche Balve

1825 wurde für die Grube Henseneiche eine Wasserkunst geplant. Man begnügte sich aufgrund der Kosten mit einem Pferdegöbel. 1824 war ein ähnliche Wasserhebeanlage auf der Grube Beckumer Schlade eingerichtet worden. Die Wassermassen nahmen jedoch zu.

1833 wurde ein Stollen aus dem Hönnetal vorgetrieben, jedoch wurde der Durchschlag verfehlt. Die Wasserlösung wurde daher nicht im vorgesehen Maße erreicht und 1843/44 wurde nun doch die Wasserkunst gebaut.

Sie war aus hölzernen Rohren errichtet, durch die das Wasser mittels einer durch eines von der Hönne betriebenen Wasserrades gepumpt wurde.  Diese Wasserhaltung arbeitete jedoch schlecht und war häufig defekt. 1851 versoff die Grube Henseneiche.

Es wurden aber noch 1854 40.000 Scheffel Erz gefördert. Die Grube Henseneiche war 1790 dem Grafen von Landsberg als Längenfeld verliehen worden. Abgebaut wurde Roteisenstein sowie Toneisensteinnieren die in den Lettenschichten eingebettet vorkamen.

Heute finden sich auf dem bewaldeteten Hügel oberhalb Schloss Wocklum die Pingenzüge die bei Helle beginnen und bis zum Vorderen Brinken gehen. Kurz dahinter wird schon Kalkstein abgebaut. Obwohl hier sicher schon Denkmäler zerstört sind, geben die Felsen des Steinbruches einen geologischen Aufschluß, wie es unter uns ausschaut. Zum Hönnetal hin ist das Gebirge grau, jedoch im Bereich der Pingen sind Klüfte zu erkennen sowie rotbraunes Gestein, was auf Eisenvorkommen deutet. In einem Bereich ist meiner Meinung nach sogar eine Abbaustrecke zu erkennen.

Steinbruch Erzgang Aufschluß

Im nordöstlichen Stadtgebiet von Balve liegt der Husenberg. Straßennamen wie “Auf dem Eisenstollen” sprechen für sich.

Hier am Husenberg bauten die markscheideten Gruben Husenberg, Glückauf und Landsberg, Rot- und Toneisenstein ab. Es handelte sich um flözartige Vorkommen leider jedoch mit Schwefelkies verunreinigt, weshalb es nicht verhüttet werden konnte. Der Schwefel wurde durch Rösten und Auslaugen ausgetrieben.

Die Alten bauten auf dem Husenberg unter den Namen “Husenberg - von Wrede” und “Husenberg - von Landsberg” ab.

 

Grube Husenberg Balve Eisenstollen

1787 wird Husenberg von Wrede unter dem Namen Glückauf an den Reichsfreiherren von Nettlingen zu Hannover verliehen. Diese Erze wurden natürlich zu der Julianenhütte des Freiherren zu Wede in Amecke gebracht. 1825-1844 wurden regelmaessig Eisensteine zur Julianenhütte gefahren.

Das Bergwerk Husenberg von Landsberg 1828 wird an den gleichnamigen Grafen als Grube Landsberg verliehen. 1855 kam das Bergwerk zum Erliegen. Später aenderte sich der Name in Glückauf. Der in der Straße belegte Stollen wurde als Glückaufer Erbstollen 1862-1864  an das Vorkommen herangetrieben. Der stark verunreinigte Eisenstein und die Wasserzuflüsse brachten das Bergwerk Glückauf jedoch zum Erliegen. Wie in einer Übersicht von Eversmann zu sehen ist, werden um 1854 die meisten Erze am Husenberg gewonnen. 1867 wurde der Betrieb eingestellt.

Hier als Übersicht einmal die Förderquoten von 1854 (EVERSMANN):

ROTEISENSTEIN

Förderquote (Scheffel)

Husenberg an der Pfarrkirche

250.000

Husenberg von Landsberg

60.000

Grefften

40.000

Henseneiche

40.000

Helle (Felsenmeer)

30.000

Limmensteiner Zug

40.000

Voßloh

10.000

BRAUN- / TONEISENSTEIN

 

Elsterbuscher Zug

40.000

Theodor

100.000

Quickmer Schlade

20.000

GEMUTHETE VORKOMMEN

 

Enselmann, Hauptmann, Ludwig

40.000

 1 Scheffel = 65 kg (WÜSTENFELD)

 Die Grube Vossloh kam 1848 als Längenfeld zur Verleihung auf Eisenstein, Bleierze und Galmei.Das Bergwerk soll schon zu Lebzeiten der Maria Theresia von der Reck betreiben worden sein.
Die Erze kamen nesterartig zwischen Massenkalk und Schiefer vor. Zwischen 1851 und 1853 wurde jedoch ausschließlich Eisenstein gewonnen so dass von Dritten die Freierklärung beantragt wurde - das Bergamt lehnte dies aber ab. Nach längerer Pause wurde der Abbau 1858 wieder aufgenommen und bis 1860 fortgesetzt. Die geförderten Erze waren jedoch nur noch minderwertiger Qualität und die Wassereinbrüche zu gross so dass der Abbau eingestellt wurde. Gesamtförderung: 2320 to bei 4-5 Mann Belegschaft.

 Grube Vossloh Balve

1866 wurde das Vorkommen als Geviertfeld an den Grafen von Landsberg neu verliehen. Landsberg verpachtete die Grube für den Abbau von Galmei. Der Pächter liessen über 100 Bohrlöcher herstellen um die Zinkerze aufzuschließen. Das Ergebnis war jedoch so unerwartet schlecht, dass der Pächter zweifelte ob in diesem Feld jemals Zinkerze angestanden hätten! 

 Grube Stettloh Balve

Grube Schellenberg 1780 schon in Betrieb. 1825 - 1847 lieferte diese Zeche regelmaessig Eisenstein zur Julianenhütte.
1848 neu als Geviertfeld verliehen. 5-6 Mann förderten hier von 1847-1853 1383 to. Wegen starker Wasserzuflüsse kam der Abbau ins Stocken und wurde dann eingestellt. Heute finden sich auf dem Schellenberg am Sportplatz noch einge Löche. Auf der markscheidenten Grube Grefften auf der schon die Alten abgebaut hatten, wurden 1843 der Abbau wiederaufgenommen. Dabei wurden nur noch restliche Erze in den alten Grubenbauten abgebaut. Außerdem wurden Übertage Aufschlussarbeiten durchgeführt. 1856 fiel die Wasserhaltung aus und die Schächte versoffen. mit 8-10 Mann waren bis dahin immerhin über 6000 to abgebaut worden. Leider habe ich diese Grube noch nicht genau lokalisieren können. Ich befürchte, dass über den eingeebneten Denkmälern heute Korn bzw. Kohl wächst.

Grube Limmensteiner Zug Das Feld wird 1851 auf Eisenstein verliehen.  Die Grube wurde 1789 als Limmenstein “errichtet”. Hier trat ein Roteisensteinlager zu tage das sich in einem schiefen Bogen um den Berg legt. Zwischen Schiefer und Kalk liegt hier eine Lettenschicht in der derber Eisenglanz eingebettet war. Im Roteisenstein war eingesprengeter Schwefelkies, dadurch war die Verhüttung sehr schwer. Die Grube galt trotzdem als eine der besten des Balver Revieres. In einigen Jahren wurde sogar mit 25 Mann gefördert. In 15 Betriebsjahren wurde eine Gesamtförderung von 12.000 to gefördert. 1820 gehen die Eisenförderungen gegen alle Erwartung stark zurück. Als man bis zum Grundwasser vorgestoßen war, mussten die Arbeiten 1860 eingestellt werden.

Am Limmerstein fand sich vor einigen Jahren noch eine tiefe ausgeräumte Gebirgsspalte, die heute leider größtenteils verschüttet ist. 

Grube Limmerstein Balve Langenholthausen

Altbergbau Balve

Befahrung Grube Balve

Auch auf der Grube Bergschlade wurde ein Vorkommen an der Grenze zwischen Massenkalk und Schiefer verliehen. 1851 und 1852 wurden die spärlichen Vorkommen abgebaut. Wegen starker Wassereinbrüche Abbau eingestellt.

Pinge Grube Bergwerk Balve

Im Dritten Reich wurden die Vorkommen im Rahmen der Autarkiebestrebungen nocheinmal überprüft. Es wurde jedoch kein Vorkommen für abbauwürdig empfunden.

In der Grundkarte eingezeichnet finden wir ein Grubenfeld, dass sich über die Höhen Nordoestlich von Leveringhausen ausbreitet. “Grubenfeld Wilhelmshöh” heisst es da. Weiter Angaben fehlen: Pingen finden sich hier sowie ein Tagebau in dem ein Felsaufschluß zu sehen ist. Vermutlich die Fundgrube des Bergwerkes.

Fundgrube Bergwerk Wilhelmshöh

1903 wurden nochmals Schwefelkies Schürfungen durchgeführt und weitere Grubenfelder verliehen.

Weiter Grubenfelder:

Balver Waldemey

Bernhard

Bolzenberg

Concordia 3

Felician

Herrschaft Gemen

Kunibert 1

Prudens